ein - weiter so - ist nicht der richtige weg

publiziert am 01. Februar 2011 im Steiner Anzeiger

Gegenstand unserer Kritik sind die Ausschreibungsunterlagen zum Thema Neugestaltung Schifflände, verfasst und formuliert von – Suter. von Känel. + Wild AG.

Dass der Stadtrat der Stadt Stein am Rhein seine Absicht explizit zum Ausdruck gebracht hat, den städtischen Raum im Bereich der Schifflände neu gestalten zu lassen, ist gut.

Dass hierfür ein völlig ungeeignetes Verfahren und auch eine Vielzahl ungeeigneter Planungsvorgaben durch den – Zitat: ‚begleitenden’ Raumplaner REG A, FSU und SIA  Alwin Suter – gemacht wurden, ist hingegen schlecht für Stein am Rhein wie auch für seine Bewohner.

Wir, die Architekten von – vision stein am rhein – haben uns als interessiertes Planungsteam darüber gefreut, endlich einen Planungsbeitrag für die neue Rheinufergestaltung (Schifflände) mit einbringen zu können in den Wettbewerb.

Nach der Lektüre der offiziellen Ausschreibungsunterlagen 1. Stufe (Präqualifikation) haben wir festgestellt, dass kein ordentlicher Planungsbeitrag gesucht wird, sondern lediglich Ausführungsgehilfen für die Umsetzung von Planungsvorstellungen und Planungsvorgaben die offenbar bereits festgelegt sind und nun der Submission zu Grunde gelegt wurden.

Dass der nun eingeleitete Weg der falsche Weg ist, kann am besten belegt werden durch die Auflistung der fragwürdigen und falschen Festschreibungen zur „Submission Neugestaltung Schifflände Ausschreibungsunterlagen 1. Stufe (Präqualifikation)“, von uns nachfolgend SNS genannt:

Seite 4, Zitat: „vorgesehen sind: Stahlkonstruktionen mit Holzbeplankung: Uferstege, Podeste für Aussenbereiche für Restaurants, Beobachtungsstege im Rhein, Lustpavillon“.

Kommentar: Konstruktive Systeme und vor allem Baumaterial dürfen (insbesondere in einem historischen Umfeld) niemals willkürlich, im Vorfeld der Planungsarbeit festgelegt werden. Es ist elementarer Bestandteil der zu leistenden Entwurfsarbeit das dem Ort und seiner Geschichte entsprechende Material durch den Entwerfer vorschlagen zu lassen.

Die im Vorfeld von Herrn Suter hier vorgeschriebenen Holzpodeste z.B. für die Restaurants sind fundamental falsch. Holzpodeste auf einem steinernen Platz aufgeständert werden faulen, darunter werden sich Unrat und auch Ratten versammeln.

Ein Lustpavillon aus Stahl und Holz? Wieso nicht aus Stahl und Glas? Hier werden von der Suter AG Vorschriften gemacht die nicht nur überflüssig sind sondern ein wirklich gutes Planungsergebnis geradezu verhindern.

Seite 5, Zitat: „Kiosk: Einbau in die Suumetzg oder in einer Privatliegenschaft“

Kommentar: Offenbar hat man keinerlei Vorstellung von einer guten Lösung und verdrängt dieses Problem in bereits bestehende Bausubstanz (z.B. eine Privatliegenschaft).“

Zitat: „Zusammenfassen von attraktiven Toiletten am Untertor im renovierten Waaghüsli“.

Kommentar: Eine öffentliche Toilettenanlage hat - ganz gleich wie schön sie sein sollte - in unmittelbarer Nähe zum Untertor nichts zu suchen. Darüber hinaus ist das Waaghüsli auch viel zu klein um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Hier muss eine Lösung gefunden werden die aus städtebaulicher Gesamtsicht entwickelt wurde.

Zitat: „Ein Wasserspiel soll ihm (dem Platz) eine unverwechselbare Stimmung verleihen.“

Kommentar: Ein Wasserspiel auf einem Platz der direkt am Rhein (eine der grössten Naturattraktionen) liegt, soll also, nach Auffassung der Suter AG dem Platz eine -  „unverwechselbare Stimmung“ - geben.

Wenn diese Vorgabe nicht so gedankenlos wie auch beschämend wäre, müsste man darüber lachen.

Es ist geradezu grotesk einen solchen Vorschlag zu machen und den auch noch als Vorgabe zu definieren – wo doch die Aufgabe darin liegt – den Platz am Rhein zu gestalten.

Wenn überhaupt Wasserspiele in Betracht kommen könnten - dann aus dem Rhein heraus entwickelt – und nicht als Teil der Platzgestaltung.

Zitat: „Ein Pegelstandsmesser … soll eine hohe Aufenthaltsqualität erzeugen.“

Kommentar: Von einem Pegelstandsmesser zu erwarten, dass er eine hohe „Aufenthaltsqualität“ erzeugt ist dann nur noch ein beiläufiger Witz.

Auf gleicher Seite wird dann auch noch mal wiederholt:

Zitat: „Vorgesehen sind fixe Podeste aus Holz“

Kommentar: das nötige hierzu wurde bereits gesagt (Unrat und Ratten). Ergänzen hierzu muss man allerdings, dass fast alle z. B. mediterranen Städte die solche Podeste schon vor Jahrzehnten installiert haben, diese mittlerweile – aus guten Gründen – wieder entfernt haben.

Seite 7, Unter dem Titel: Beschrieb des Verfahrens wird dort richtigerweise gesagt dass ein „fachkompetentes Team“ gesucht wird. Vorgeschrieben wird aber, dass es aus folgenden Leuten zu bestehen hat:

Zitat: „Aussenraumgestalter (Federführung)“  „Bauingenieur“  „Beleuchtungsspezialist“

Kommentar: ein Aussenraumgestalter, (jemand der Plätze möbliert) soll also die „Federführung“ haben bei einem Projekt das – wie wir alle wissen – eine Gestaltungsaufgabe der Architektur und der stadträumlichen Entwicklung ist.

Diese Aufgabe braucht dringend die Fachkompetenz von Architekten – versiert im Umgang mit historischer Bausubstanz und Stadtraum.

Aussenraumgestalter, Bauingenieure und Beleuchtungsspezialisten kommen allenfalls als begleitende Fachberater für die Entwurfsverfasser zum Einsatz und nicht bei der Submission der Arbeiten.

Wissen das die Herren Suter, von Känel + Wild AG wirklich nicht, oder wollen Sie sich lediglich auf dem Wege einer solchen „Ausschreibung“ einmal mehr die fachkompetente Konkurrenz vom Leibe halten???

Seite 8  Hier wird unter dem Titel Ausschreibung „Auftraggeber“ festgestellt:

Zitat: „Das Verfahren wird von Alwin Suter, Raumplaner Reg A, FSU und SIA begleitet.“

Kommentar: Eben dieser Herr Suter hat doch gerade (zum wiederholten Mal) mit diesen Ausschreibungsunterlagen exemplarisch unter Beweis gestellt dass er mit dieser Aufgabe – freundlich formuliert – restlos überfordert ist. Dieser Zustand hält  nun seit vielen Jahren an – beruht auf persönlicher Protektion – und ist im Ergebnis ein skandalöser Zustand.

Dass die Stadt Stein am Rhein Beratung braucht – fachkompetente Beratung – wenn es um Architektur und stadträumliche Entwicklung geht ist selbstverständlich und richtig. Diese Beratung muss allerdings mit gleicher Selbstverständlichkeit von einem fachkompetenten Gremium, z.B. einem Planungsbeirat, aus guten möglichst ortsnahen Architekten, geleistet werden.

Nur so wird es für Stein am Rhein eine gute zukünftige Entwicklung geben.

Seite 10  Hier wird unter dem Titel „Zuschlagskriterien“ die Zitat: „Qualität der Ideenskizze“

Kommentar: bezeichnenderweise wird diese Schlüsselfunktion an zweiter Stelle genannt. Ist den Verantwortlichen der politischen Führungsetage wirklich nicht klar, dass es hier um eine Gestaltungsaufgabe von höchstem Range geht.

Abschliessend stellen wir fest:  Ein ordentliches Verfahren müsste wie folgt aussehen:

1 Gründung eines parteiunabhängigen Planungsbeirates aus Baufachleuten und  Architekten (ca. 10 Personen), deren wichtigste Aufgabe darin besteht den Stadtrat zu beraten.

2 Definition der Aufgaben um die es in planerischer Hinsicht in Zukunft geht.

3 Herstellung der Prioritätenordnung der einzelnen Projekte.

4 Erarbeitung eines Masterplans und Erarbeitung der dazugehörenden Leitbilder.

5 Erarbeitung der Grundlagen für zukünftige eingeladene Wettbewerbe. Die Jurierung der Wettbewerbsergebnisse hat durch ein Fachpreisrichtergremium zu erfolgen.

6 Das Ergebnis der einzelnen Schritte wird vor der Submission der Entscheidung durch das Volk vorgelegt.

7 Die Submission, d.h. die Ausschreibung der zu leistenden Arbeiten kann erst nach diesem Vorlauf erfolgen.

In der augenblicklichen Situation bleibt nichts anderes übrig, als die Ausschreibungsunterlagen 1. Stufe (Präqualifikation) vom 17. November 2010, zurückzurufen.

An dieser Stelle spätestens müsste auch der Einwohnerrat (Volksvertretung) in angemessener Weise reagieren. Ansonsten entsteht eine Mitschuld an diesem Planungsdebakel.

Die von uns kommentierten Ausschreibungsunterlagen können im Internet auf der Seite www.steinamrhein.ch unter Aktuelles / Projekte / Neugestaltung Schifflände Stein am Rhein: Submission Planerleistung / Schifflaendi_Submission-Stufe 1, abgerufen werden.

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