stadterweiterung degerfeld - bitte mit qualität

publiziert am 05. April 2011 im Steiner Anzeiger

Der Stadtrat der Stadt Stein am Rhein möchte ein Grundstück verkaufen - im Degerfeld – nicht an konkurrierende Anbieter (was normal und richtig wäre) sondern an die Bantli immobilien Gmbh direkt.

Diese wiederum möchte auf dem Grundstück – nach eigenen Vorstellungen – fünf 3 – geschossige Blöcke mit 4. Attikageschoss errichten. Dies in einem Wohnquartier das bisher aus ein- bis zwei-geschossigen Wohnhäusern mit Dachausbau besteht.

Der Stadtrat – so  kann man es im Antrag an den Einwohnerrat zur Sitzung vom 08.04.2011  nachlesen – ist begeistert von dieser Idee, von der man sich erhofft, dass durch den Grundstücksverkauf ca. 1,8 Mio. Profit gemacht werden können.

Nun soll also der Einwohnerrat einem solchen Vorhaben ebenfalls zustimmen.

Es gibt nichts an diesem Vorhaben was nicht fragwürdig wäre – um nicht zu sagen grundsätzlich falsch ist.

Zunächst einmal kann es nicht im Interesse des Steiner Einwohnerschaft sein, wenn ein so grosses und stadträumlich wichtiges Grundstück, an einen Interessenten direkt verkauft wird -  ohne Konkurrenzangebote und ohne konkurrenzierende bauliche Konzepte. Das Schielen auf den schnellen Profit führt nämlich – wie vorliegende Bebauungsstudie - langfristig zu katastrophalem Städtebau.

Wir reden hier über ein Grundstück von mehr als 4’800m2 im Herzen vom Degerfeld, in direkter Nachbarschaft zu einem gelungenen 1-2 geschossigen Wohnquartier mit hoher Wohnqualität. Die Überbauung „Köhlerweid“ zeigt auf, wie der Zonenübergang - das heisst - die stufenweise Erhöhung von 2 auf 3 Geschosse, auf gute Art erfolgen kann.

In diesem baulichen Zusammenhang müssten zunächst einmal städtebauliche Studien erarbeitet werden um  Art und Weise der neuen Bebauung zu klären und festzulegen. Diese Studien müssten Aussagen enthalten zu Wegeführung, Platzbildung, Aussenräume, Geschossigkeit, Gebäudetypologie, Infrastruktur.

Diese planerischen Kernaussagen dürfen sich nicht nur auf das jetzt diskutierte Grundstück beziehen, sondern müssen auch die umgebenden unbebauten Grundstücke einbeziehen –

Es ist offensichtlich, dass die benachbarten Grundstücke in absehbarer Zeit, eine Überbauung erfahren werden. Vermutlich sind die politischen Weichenstellungen hierfür längst gelegt.

Es wird unumgänglich sein dieses Gebiet als Ganzes zu sehen und in allen wesentlichen baulichen Parametern zu ordnen und qualitätvoll zu beplanen.

Ein taktisches Vorgehen – in mehr oder weniger dicken Salami – Grundstücksscheiben - wie jetzt durch den Stadtrat offenbar beabsichtigt – ist einfach zu kurz gedacht, täuscht die Öffentlichkeit und führt zu keinem guten Ergebnis.

Auf einer stadtplanerisch, abgestimmten klugen Grundlage hingegen, könnten konkurrierende Angebote von Planern und Investoren eingeholt werden. Der Erlös, der hierbei durch den Grundstücksverkauf erzielt werden kann, müsste sinnvoller weise zweckgebunden bleiben – beispielsweise für den Unterhalt oder Neuankauf von Liegenschaften und Grundstücken.

Ein solcher wie oben beschriebener Weg ist zwar mühevoller und auch gedankenvoller als der jetzt begangene, aber - nur so – entstehen die zwei wesentlichen Qualitäten.

Eine gute stadträumliche Erweiterung

Verantwortliches politisches Handeln gegenüber dem Bürger

Beides bekommt eine besondere Bedeutung, gerade im Stadteil Vor der Brugg, welcher bisher eine eher stiefmütterliche Zuwendung durch die politischen Entscheidungsträger erfahren hat.

Es bleibt die Hoffnung, dass der Einwohnerrat diese Zusammenhänge sieht, erkennt und das Vorhaben in seiner jetzigen Form gestoppt wird. Die Verantwortung hierfür wiegt schwer.

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