masterplan oder unser wort zu weihnachten

publiziert am 22. Dezember 2009 im Steiner Anzeiger

Der historische Altstadtkern von Stein am Rhein wurde geplant und gebaut als es noch keine Autos gab.

Diese einfache und nüchterne Tatsache erklärt bereits wieso das Auto insbesondere in seiner heutigen Vielzahl, weder in, noch durch den Altstadtkern passt.

Jeder Versuch, eine Kantonsstrasse in ihren Ausmassen und dem grossen Verkehrsaufkommen durch den Altstadtkern hindurch und über die Rheinbrücke von Stein zu führen, hat somit notwendigerweise zur Folge, dass die vielen Autos entweder nicht vernünftig hindurchpassen, oder aber nur dann, wenn entsprechende bauliche Eingriffe, sprich Abrisse von Altstadthäusern gemacht werden. Stichwort: autogerechte Stadt.

Eine Konsequenz, die so sicherlich niemand will und auch niemand wollen darf, wenn uns etwas an der Erhaltung von Stadtbild, Stadtkultur sowie einem funktionierenden Geschäftsleben liegt.

Die Lösung des Problems liegt nicht darin, kosmetische Verschönerungen am Chirchhofplatz, der Steiner Brücke und an der Charregass vornehmen zu lassen.

Die Lösung liegt – wie so oft – in einem ganzheitlich gedachten, neuen System der Verkehrsführung, das wie folgt aussehen könnte:

Der Duchgangsverkehr wird um den Altstadtkern und um die Vorstadtzone geführt entlang der Grossen Schanz.

Auf diese Weise entstünde eine klassische Ringstrasse.

Die Vorstadtzone wird den Fussgängern und dem internen Ortsverkehr zurückgegeben und somit aufgewertet.

Der Auto- und Durchgangsverkehr kann dann entweder ab dem Untertorkreisel, über die Hemishoferstrasse und die Hemishoferbrücke weiter geführt werden, oder ab dem Untertorkreisel über eine neu zu bauende Rheinbrücke nach Vor der Brugg / Wagenhausen.

Eine solche neue Brücke in baulicher Art und Grösse, beispielsweise dem Vorbild holländischer Brücken folgend, könnte den Autoverkehr zwischen den beiden Stadtteilen aufnehmen, während die bestehende Rheinbrücke den Fussgängern und Radfahrern vorbehalten bliebe.

Diese Brückenlösung sollte allerdings angesichts der damit verbundenen baulichen Probleme – insbesondere auf der Wagenhausener Seite – nachrangig behandelt werden, gegenüber einer Autoverbindung über die bestehende Hemishofer- Brücke. Wem die Verbindung über die Hemishofer- Brücke allerdings zu weitläufig erscheint, der müsste sich zwangsläufig für eine zweite Rhein- Brücke wie oben beschrieben entscheiden.

Eine solche Lösung des Verkehrs hätte Logik und Klarheit – und wäre für die Altstadt ein enormer Gewinn an Lebensqualität. Mit einer so gedachten Verkehrsführung wären alle bisher diskutierten räumlichen Probleme im Bereich Chirchofplatz, Rhigasse, bestehende Rheinbrücke und Charegasse gelöst.

Im Gegensatz hierzu steht die derzeit praktizierte partielle Betrachtungsweise, der in der Stadt anstehenden baulichen Grossprojekte: Rheinufergestaltung mit Strandbad, Parkhaus Untertorplatz, 3-fach Halle, Rathaus, Spielzeugmuseum, Chirchhofplatz Vor der Brugg Charegass, Bahnhof, etc.

Diese isolierte Betrachtungsweise der anstehenden baulichen Grossprojekte führt dazu, dass nicht der Sinn für die Gemeinschaft als Ganzes gesehen wird, sondern lediglich eine Kosten- Nutzen Analyse im Einzelfall stattfindet.

Das ist aber zu kurz gedacht und zu wenig.

Die politischen Entscheidungsträger der Stadt sollten sich die architektonische Ausarbeitung solcher ganzheitlich gedachter Konzepte mit Zukunft und Vision, auf die Agenda, sprich Tagesordnung setzten.

Wichtig wäre somit die Schaffung eines überparteilchen Planungsgremiums mit einer Vielzahl von befähigten Planern und Kommunalpolitikern, deren zentrale Aufgabe darin bestünde die Erarbeitung eines sogenannten Masterplanes auf den Weg zu bringen.

Erst nach einer solchen Gesamtplanung dürften einzelne Bauprojekte in Angriff genommen werden.

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