darf die chance strandbad verspielt werden?

publiziert am 20. Oktober 2009 im Steiner Anzeiger

Am Rhein entlang und entlang der Hemishoferstrasse liegt das Strandbad von Stein am Rhein.

Nun soll in der nächsten Sitzung des Einwohnerrates vom 23. Oktober 2009 beschlossen werden, dass für die Planung der Neugestaltung des Strandbads, Finanzmittel in Höhe von 104'500 Franken, verabschiedet werden sollen. Die geschätzten Baukosten hierfür belaufen sich auf 1,5 Millionen Franken für eine wie es heisst sanfte Renovation des bestehenden Gebäudes.

Auf die Erstellung eines 25m Schwimmbecken soll vorerst verzichtet werden, weil dieses nach Ansicht des Stadtrates nicht finanziert werden kann.

Unter dem Strich sollen also Fakten geschaffen werden, zu einem Zeitpunkt da ein ausdiskutiertes Konzept für die Rheinufergestaltung nicht existent ist.

Zu glauben man könne die Renovierung des Strandbads aus dem Gestaltungskonzept der Rheinuferpromenade herauslösen und vorweg abhandeln – wie dies nun vorgeschlagen wird – ist ein grober Irrtum.

Ein Vorkonzept für die Neugestaltung und Verschönerung des Rheinufers von der Schiffländi bis zum Strandbad wurde im Mai 2006 in Auftrag gegeben und anschliessend vorgestellt. Das Meinungsbild hierzu aus der Bevölkerung und von Seiten der Stadtplaner und Architekten fand nie Eingang in diese Planungsarbeit, das heisst eine überarbeitete und aktualisierte Version ist entweder nicht existent oder wurde nie veröffentlicht.

Beispielsweise wäre es durchaus denkbar im Rahmen der jetzt angestrebten Renovierung des Strandbads – mit einfachen Mitteln – ein Parkhaus am Eingang der Stadt auf dem Gelände des Strandbads unterzubringen. Hilfreich hierbei ist die Geländesituation an dieser Stelle.

Die Parkplatzebene könnte im Hang verschwinden, ohne die Landschaft oder die Anwohner in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Ein solcher Standort für eine Tiefgarage würde vor allem auch die innerstädtische Parkplatzsituation entlasten. Die Weichen für eine Lösung mit einem zusätzlichen Parkplatzangebot von ca. 100P werden jetzt gestellt. Nach der nun angedachten Sanierung des Bestandes ist eine solche Chance vertan.

Auch das Kernstück der Rheinufergestaltung, die Rheinuferpromenade ist in ihrem funktionieren auf die Existenz eines überzeugenden Parkplatzangebotes an ihrem Ende, das heisst beim Strandbad angewiesen.

Gleichzeitig stellt sich auch die Frage nach dem Sinngehalt einer Strandbadrenovierung für 1,5 Millionen Franken, wenn doch für dieses Geld ein kompletter Neubau erstellt werden könnte, der dann wirklich den Anforderungen der heutigen Zeit gerecht wird.

Darüber hinaus wäre es angebracht an dieser Stelle darüber nachzudenken, wie ein ergänzendes, ganzjähriges Angebot, sei es Sauna, Lehrschwimmbecken für Kinder oder Wellness, aussehen könnte.

Abschliessend kann nur immer wieder festgestellt werden: Ohne ein ganzheitlich gedachtes Stadtplanungskonzept erarbeitet und verabschiedet zu haben, sind die baulichen Bemühungen fragwürdig, wenn nicht gar falsch.

Empfehlen möchte man an dieser Stelle dem Steiner Stadtrat, dass die Bürgerbeteiligung am Planungsprozess nicht zu einer Pflichtübung verkommt sondern ernst genommen wird.

Darüber hinaus sollten Planungsgremien mit Planern, das heisst Stadtplanern und Architekten besetzt werden, deren Fachwissen und Fachverstand für die Entscheidungsfindung durch nichts ersetzt werden kann.

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