der berg hat eine maus geboren

publiziert am 15. September 2009 im Steiner Anzeiger

Am 3. September 2009 abends um 20 Uhr gab es eine Lehrstunde in Sachen Bürgerbeteiligung und Demokratie.

Geladen hatte der Stadtpräsident persönlich – im Namen des Stadtrates von Stein am Rhein.

Das Thema, um das es ging war der Mühe wirklich wert. Es geht uns alle an und betrifft jeden Steiner Bürger, wenn über Stadtplanung gesprochen werden soll – über mögliche Veränderungen, Ideen und Konzepte; kurzum wie man etwas besser machen könnte als es ist!

Dem Vortragenden dipl. Kulturingenieur ETH sia und Raumplaner FSU/Reg.A, Alwin Suter - fiel die Aufgabe zu, die bisher vom Büro

Suter-vonKänel-Wild AG und der Arbeitsgruppe ‚Aufwertung Vor der Brugg’, geleistete Planungsarbeit vorzustellen und darüber zu referieren – immerhin die Summe von einem Jahr Kommissionsarbeit, auf der Basis einer ca. 10 jährigen Arbeitsgruppenerfahrung im Stadtplanungsbereich von Stein am Rhein.

Entsprechend hoch durften die Erwartungen bei dem aufmerksamen Publikum sein. Danach sollte dann diskutiert werden.

Kommentar einer Zuhörerin am Ende des Vortrags – allerdings nicht laut genug für Alle: Zitat: ,Am liebsten hätte ich gesagt: Der Berg hat eine Maus geboren’.

Dieser Satz trifft mit unglaublicher Klarheit und intelligentem Witz genau den wichtigsten Punkt. Nach so viel Planungsaufwand darf doch ein Ergebnis nicht so dünn sein, wie es aufgrund des Vortrags wirklich ist.

Ein bisschen Stadtplanungskosmetik – mehr nicht:

-         Ein paar Blumentröge entlang der Charregasse wegen der Fahrradfahrer und Fussgänger.

-         Ein, Zitat: ,elegantes neues Geländer’ für die Steiner Brücke mit erweitertem Trottoir.

-         Einige Überlegungen in Varianten bezüglich des Autoverkehrs am Bahnhofsplatz.

und nicht zuletzt,

-         eine neue Unterführung für die Fussgänger am Bahnhof unter den Geleisen hindurch – für sage und schreibe 4.7 Millionen Franken – an gleicher Stelle wie die alte Unterführung.                                    In diesem Zusammenhang ist die Tatsache interessant, dass es bereits 1990 zu diesem Thema (Unterführung), einen eingeladenen Wettbewerb gab, dessen Ergebnisse, dem jetzt vorgestellten Projekt aus architektonischer Sicht vorzuziehen sind.

 

Sowohl dem Architekten Herrn Sutter wie auch dessen Auftraggeber dämmerte es wohl, dass die jetzt vorgestellten Ideen nicht ganz reichen könnten. Beide, Sutter und Hostettmann legten also nach:

Man könnte auf den Gedanken kommen, den durchfahrenden Autoverkehr an der Brücke ‚zeitweise’ – also für bestimmte Stunden – ganz zu sperren.

Diese ins Publikum geworfene Bemerkung macht nur eines deutlich:

Die bisherige Planungsleistung ist ungenügend und mangelhaft, das heisst sie löst die anstehenden Probleme nicht wirklich, sondern tut nur so. Dies spüren selbst ihre Verfasser und bisherigen Vertreter.

-         Es fehlt ein überzeugendes Konzept für die Verkehrsführung und Wegeplanung.

-         Es fehlt ein überzeugender Gedanke (eine Vision) für die Stadtplanung und mögliche Stadtentwicklung – auch für Vor der Brugg.

-         Es fehlt offenbar auch der Wille zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Steiner Bürgern, Architekten und Raumplanern, die schon mehrfach gezeigt haben, dass sie in der Lage sind weitsichtige Konzepte für Stein am Rhein zu entwickeln.

An diesem Abend des 03. September 2009 gab es engagierte und kluge Diskussionsbeiträge aus dem Publikum heraus. Allein dies wäre also Grund genug über neue Planungsinhalte und auch über neue Möglichkeiten der Erarbeitung von Lösungen nachzudenken.

 

Ganz wichtig und hilfreich wäre es darüber hinaus, wenn sämtliche bisherigen Arbeitsergebnisse aller Arbeitsgruppen und der beauftragten Planer (Pläne und Protokolle hierzu), auf eine bürgernahe Art und Weise zugänglich wären, damit Meinungsbildung in der Öffentlichkeit möglich ist.

Dies wäre auch wichtig in Bezug auf die Herstellung von Transparenz.

Ein erster Schritt hierzu könnte darin bestehen, dass sämtliche Eingaben (zu denen die Bevölkerung von Stein am Rhein in der Öffentlichen Vorstellung - Aufwertung Vor der Brugg – aufgefordert wurde) öffentlich gemacht werden, damit hierüber diskutiert werden kann.

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