die stadt am wasser

publiziert am 01. September 2009 im Steiner Anzeiger

Paris liegt an der Seine, Venedig in einer Meereslagune, Zürich liegt an der Limmat und am Zürisee,

Stein am Rhein, liegt am Rhein.

Die geografische Lage an einem Fluss oder See ist nicht nur ein geografisches Merkmal sondern bestimmt auf ganz wesentliche und unverwechselbare Art und Weise das Gesicht und den Charakter einer Stadt – hat wesentlichen Einfluss auf Plätze, Platzräume, Strassen, Blickachsen und Gebäudeformen. Mit einem Wort, die Identität von Stein wird geprägt und geformt aus der Tatsache heraus, dass sie am Rhein liegt.

Die Frage die wir uns nun stellen müssen ist, welchen Einfluss hat diese Erkenntnis auf unser aktuelles Denken und Handeln, wenn es um Architektur und Stadtplanung in Stein am Rhein geht.

Wo sind die Verbindungen und Plätze (Stadträume), die am Wasser liegen, wo und wie ist dieses Potential ausbaubar, wo und wie könnte es weiterentwickelt und im besten Sinne dieses Wortes kultiviert werden. Wer baut an dieser unverwechselbaren Identität der Stadt bewusst und zielgerichtet weiter?

Hier einige Planungsansätze und Gedanken, die es wert wären weiter entwickelt und weiter gedacht zu werden.

Die Steiner Brücke hat auf der einen Seite den Fischmarkt-platz – ein Raum von grosser stadträumlicher Qualität – drei Seiten gebildet durch die umschliessende Bebauung – die vierte Seite hingegen ist das Wasser des Rheins. Dieser Platz formt auf exemplarische Weise den Platz am Wasser und hat Vorbildfunktion für die Weiterentwicklung.

Der Fischmarkt- Platz könnte verbunden werden – am Ufer entlang – einmal in Richtung Schiffländi (ebenfalls ein Platz der die Stadt zum Wasser öffnet) – aber auch mit dem Gebiet des Klostergartens und weiter mit dem Chlosterhof.

Insbesondere der Klostergarten öffnet sich zum Wasser und hat bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine überragende stadträumliche Qualität, die aber weitgehend unentdeckt ist. Man könnte sagen er schläft einen Dornröschenschlaf und müsste als öffentlicher Raum erschlossen und erlebbar gemacht werden. Im Idealfall müsste der Raum geöffnet werden bis zum ehemaligen Zeughaus, das heisst zum neu geplanten Spielzeugmuseum. Der Ausblick vom Klostergarten auf das Wasser des Rheins ist geradezu überwältigend.

Eine solche Stadträumliche Entwicklung wäre auch für den Stadtteil Vor der Brugg möglich.

Der Vor der Brugg- Platz ist bereits zum jetzigen Zeitpunkt ein Platz am Wasser dessen Gestaltungsqualität allerdings weiter ausgebaut werden müsste. Von diesem zentralen Raum ausgehend gibt es ebenfalls zwei Möglichkeiten für eine stadträumliche Weiterentwicklung und Anbindung.

Einmal in Richtung Badeanstalt Espi und das Gebiet um die Gärtnerei Meili.

Hier besteht auf lange Sicht die Möglichkeit der Stadtentwicklung mit vertikaler Baumassenentwicklung – Platz am Wasser – Anlegestelle für den Boots - und Schiffverkehrs – Schaffung eines touristischen Zentrums – gleichzeitig aber auch Wohn- und Arbeitsraum für die Bewohner von Stein

Die Grundeigentümer der betreffenden privaten Parzellen müssten mit höheren Nutzungen belohnt und in ein Gesamtkonzept eingebunden werden.

Eine zweite solche Möglichkeit bietet sich und rheinaufwärts als Gegenüber zu dem Gebiet  des Hotels Chlosterhof. Hier ist die Entwicklung eines stadträumlichen Zentrums möglich mit all den Einrichtungen und Infrastrukturen einer Stadt am Wasser – Platz – Anlegestelle – Cafe – Restaurant – Gewerberäumlichkeiten für Dienstleister etc.

Diese beiden Gebiete sollten stadträumlich geplant werden, das heisst Gegenstand entsprechender Architekturwettbewerbe sein.

Grundlage hierfür muss jedoch ein ganzheitlich gedachtes Stadtplanungskonzept (Masterplan) sein.

Die hier investierte Denkarbeit würde sich tausendfach bezahlt machen.

Auf diese Art und Weise ist die Zukunft der Stadtentwicklung von Stein am Rhein machbar und möglich – wir müssen es nur sehen und tun.

Ganz praktisch anfangen könnten wir beispielsweise mit dem Bau von Boostsanliegestellen an den im Plan bezeichneten Stellen – das heisst ein regelmässiges Hinfahren der Bewohner und Besucher von Stein am Rhein zu diesen Standorten der zukünftigen Stadtentwicklung.

Insbesondere für den Stadtteil vor der Brugg würde eine solche intensive Verknüpfung beider Uferseiten neue Möglichkeiten bieten und auch die gefühlte Trennung beider Stadtteile aufheben.

Als exemplarisches Beispiel in Bezug auf die Entwicklung einer Stadt am Wasser könnte Luzern genannt werden. Dort sind alle diese Entwicklungsschritte und Ergebnisse auf schöne und vorbildliche Art.

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